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„Wurden die Menschen bei Mercosur nicht einbezogen?“ – Jahrgangsstufe 11 besucht EU-Parlament in Straßburg

„Auf unserer Anfahrt nach Straßburg wurden wir eine Stunde auf der französischen Autobahn von Traktoren aufgehalten und vor dem Parlament protestieren viele Landwirte! Wurden die Menschen bei Mercosur nicht genügend einbezogen?“, fragt Sohaib Mharchi. Der Elftklässler blickt erwartungsvoll nach vorne zu Christine Schneider, die vor einem kleinen Podium steht. Die EU-Abgeordnete lächelt: „Doch, doch! Die Bauern wurden einbezogen! Ein Teil der Landwirte hat sich aber stark verändert und ist nicht mehr wie früher zum Austausch bereit."

 

Nicht nur Sohaib Mharchis Frage zu den Hintergründen des Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den vier südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay faszinierte die 48 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 am 20. Januar 2026 in einem Besprechungssaal des Europaparlaments in Straßburg, sondern auch zahlreiche andere Themen.

 

Lia Kunz wollte wissen, wie die EU mit Donald Trump umgehen sollte, woraufhin die 53-jährige Christdemokratin aus der Südpfalz unterstrich, dass man mit dem US-Präsidenten sprechen müsse. Das Problem der EU sei die Unklarheit, wer hier regiere: die Kommissionspräsidentin, der Ratspräsident oder die Regierungschefinnen und Regierungschefs der einzelnen Mitgliedsstaaten.

Florian Vorpahl erkundigte sich, weshalb die christdemokratisch-konservative EVP-Fraktion, zu der auch die CDU und CSU gehören, mit den drei Rechtsaußen-Fraktionen EKR, Patriots und ESN dafür gestimmt hätten, dass vegetarische und vegane Ersatzprodukte nicht mehr „Schnitzel“ oder „Hähnchen“ heißen dürfen. Die aus Edenkoben stammende CDU-Abgeordnete hob hervor, dass sie krankheitsbedingt nicht an der Abstimmung hatte teilnehmen können und sie persönlich nicht für den Vorschlag ihrer französischen EVP-Kollegin votiert hätte. Vielmehr hätte sie sich der Idee ihrer Kollegin von der liberalen Renew Europe angeschlossen, einem Kompromiss, der lediglich das Wort „Hähnchen“ ausgeschlossen hätte, da ja tatsächlich kein Tier im Produkt stecke. Insgesamt sei die Diskussion in Deutschland aber sehr emotional und die Berichterstattung sehr überzogen. Es gebe Wichtigeres.

Jakob Irmscher thematisierte den polnischen EU-Abgeordneten Grzegorz Braun, welcher 2023 die Kerzen auf einem in der EU-Parlamentslobby aufgestellten Chanukka-Leuchter mit einem Feuerlöscher löschte. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Gruppe innerhalb der EVP-Fraktion verdeutlichte, dass Braun demokratisch ins EU-Parlament gewählt worden sei. Es müsse aber auch klar sein, dass ganz rechts und ganz links die Demokratie ablehnten.

Sohaib Mharchi kam auf die Vorwürfe zu sprechen, die EU sei nicht demokratisch, woraufhin die gelernte Tischlerin betonte, das sei nur die Behauptung der AfD. Jene aber sitze nie am Verhandlungstisch. Demokratie funktioniere nur, wenn alle daran mitarbeiteten. Auch dürfe man keine Angst haben Abstimmungen zu verlieren.

Marius Thomas wollte wissen, ob ein paneuropäischer Staat realistisch sei und erntete ein Lächeln der ehemaligen Pfälzischen Weinkönigin: „Die Tendenz geht eher in die Gegenrichtung.“

Abiebatou Njie wies darauf hin, dass es in Europa eine immer größere Polarisierung gebe: „Wie kann man dem entgegenwirken?“ Das Kuratoriumsmitglied in der Fridtjof-Nansen-Akademie für politische Bildung musste nicht lange überlegen: „Wir haben verlernt einander zuzuhören. Es gibt persönliche Anfeindungen, Mobbing und Ausgrenzung. Wenn ich beleidigt werde, versuche ich die Leute direkt anzurufen.“ Häufig werde dann sehr schnell beschwichtigt.

Eine Frage zur Mobilität stellte Fred Altmann: „Sind Elektroautos die Zukunft?“ Die ehemalige Abgeordnete im Landtag von Rheinland-Pfalz gab hier eine differenzierte Antwort. Ein Fehler sei es gewesen, mit Verboten zu agieren statt den Markt entscheiden zu lassen. Das habe der Automobilindustrie großen Schaden zugefügt. Ob die Elektroautos auf der Langstrecke die Lösung seien, wisse sie nicht. Auf der Kurzstrecke seien sie das aber auf jeden Fall. Problematisch sei, dass man die Ladeinfrastruktur nicht ausgebaut habe. Felix Dietrich hakte nach und interessierte sich für wasserstoffbetriebene Autos als zukünftige Möglichkeit. Hier messe sie sich kein Urteil zu, hob das ehemalige Mitglied im Kreistag der Südlichen Weinstraße hervor, sie hoffe es aber.

Nach der Besprechung mit Christine Schneider besuchten die Elftklässlerinnen und Elftklässler eine zwischen den einzelnen Fraktionen kontrovers geführte Plenardebatte zum Thema „Fluggastrechte“ und konnten dabei sehen, wie unterschiedlich das EU-Parlament im Vergleich zum Deutschen Bundestag funktioniert. Besonders herauszuheben waren dabei das Dolmetschen, die spärlich besetzten Fraktionen und das wenige Interagieren der Sprechenden, aber auch die sehr unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen der deutschsprachigen Abgeordneten.

Das Goethe-Gymnasium bedankt sich bei Christine Schneider für die Organisation des Parlamentsbesuchs, der Teil des vom Land Rheinland-Pfalz geförderten Demokratietags war. Dieser ist am GGG so organisiert, dass die achten Klassen Besuch von einer Politikerin oder einem Politiker aus der Kommunalpolitik bekommen, während die neunte Jahrgangsstufe beim Debattieren gestärkt wird. Die zehnten Klassen besuchen eine Gedenkstätte zu den nationalsozialistischen Verbrechen. Während die elfte Jahrgangsstufe Einblicke in eine europäische Institution erhält, verwirklicht sich die MSS 12 in einem Kunstprojekt zum Thema Demokratie.

Dirk Wippert

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