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Exkursion zur PhilCologne 2026 – Philosophie zum Denken und Handeln

Unter einem guten Stern startete die zweitägige Exkursion der Philosophie- und Lateinkurse der MSS 12 zum internationalen Philosophiefest 2026, der PhilCologne, in Köln vom 6. bis 15.6., denn alle Züge waren pünktlich und die Stimmung ausgelassen. Unter Führung von Fachlehrer Matthias Wessels besuchten die Schülerinnen und Schüler an diesen Tagen drei Veranstaltungen des Formats KlasseDenken, bei denen die Podiumsgespräche mit Impulsen aus dem Publikum bereichert wurden, und zwei Abendveranstaltungen, in denen moderierte Fachgespräche auf sehr hohem Niveau geführt wurden.

Herr Wessels mit den Exkursionsteilnehmern

Mittwochs besuchte die Exkursionsgruppe die KlasseDenken-Veranstaltung „Pflicht zum Dienst oder Recht auf Frieden?“ mit Marc Hinzmann und Mithu Sanyal und die am Abend stattfindenden Fachgespräche „Das unersättliche Selbst – Thomas Arnold und Thomas Fuchs über Narzissmus“ und „Sokrates reloaded- Wie man durch ein philosophisches Leben die Angst vor fast allem verliert“ mit Agnes Callard. Am Donnerstagmorgen wurde sich den KlasseDenken-Veranstaltungen „Wenn Algorhitmen Macht übernehmen – KI und der neue Faschismus“ mit Rainer Mühlhoff und „Hannah Arendt: Mut zum Handeln!“ mit Friedrich Weißbach gewidmet.

Veranstaltungen: Wehrpflicht und Narzissmus

Exemplarisch, da alle Veranstaltungen einen hohen heuristischen Mehrwert hatten, wird nun auf zwei besonders gelungene Veranstaltungen eingegangen.

Schon beim Auftritt der amerikanischen Philosophin Agnes Callard am Mittwochabend spürte man eine besondere Energie, die von dieser Person ausging. Agnes Callard, die gerade ein Buch über den berühmten Philosophen Sokrates herausgebracht hatte, sprach nicht nur über Sokrates, sondern lebte auch wie dieser. So berichtete sie davon, dass sie Anfang ihrer zwanziger Jahre vor die Kunstakademie Chicagos ging, um die sokratische Methode der Hebammenkunst mit wildfremden Menschen durchzuführen. Lachend erzählte sie, dass ihre Versuche kläglich gescheitert waren, sie aber aus diesen Folgendes über ein gelungenes philosophisches Gespräch gelernt hatte: Wahre Antworten auf tiefe Fragen über das eigene Selbst findet man nur im Gespräch mit anderen und nicht die Antwort auf die Frage ist das Ziel, sondern die stetige Suche nach dieser. Gerade dies inspirierte und zugleich verstörte unsere Schülerinnen und Schüler aber am meisten. Nach Sokrates führt wahres Wissen zu rechtem Handeln und keiner Abirrung. In unserem Alltag meinen wir zu wissen, dass beispielsweise der Konsum von Süßigkeiten schlecht für uns ist, aber wir tuen es trotzdem. Für Sokrates und Frau Callard ist dies jedoch kein wahres Wissen, sondern nur ein flüchtiger Gedanke, der durch unseren Geist streift. Erst wenn wir diesen durch stetige philosophische Auseinandersetzung mit anderen verinnerlicht haben, kann er zu wahrem Wissen und in Folge zu rechtem Handeln führen. Diese Darlegung sorgte noch lange nach der Veranstaltung zu spannenden Kontroversen zwischen unseren Schülerinnen und Schülern.

Agnes Callard in der Mitte mit Wolfram Eilenberger als Moderator links und Übersetzerin Sarah King rechts

Mitten aus der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler und den aktuellen gesellschaftlichen Debatten der Gegenwart entstammte das Plenumsgespräch zum Thema KI und Faschismus. Mit empirischen Daten belegt zeigte Rainer Mühlhoff auf, dass die Big Tech Firmen der KI-Entwicklung von ihrem Grundsatz her auf exponentielles Wachstum ausgelegt sind und dies dazu führt, dass demokratische Strukturen von ihnen abgelehnt und faschistische Regime unterstützt werden. Demokratie versucht nämlich durch Regulierungen sowohl gesellschaftliche Verzerrungen zu verhindern als auch auf Minderheitenschutz und den Erhalt unserer natürlichen Ressourcen für künftige Generationen zu achten. Und gerade diese Grundprämissen von Demokratie laufen den Bestrebungen der KI-Branche zu wider, weshalb sie autoritärere politische Modelle unterstützen. Neben dieser wirtschaftlichen Analyse wurden unter Einbezug von klugen Aussagen und Fragen von Schülerinnen und Schülern, auch der unsrigen, noch Teilbereiche wie Social-Media, Manosphere, Identifikationsprobleme und weitere behandelt. Mit viel Wissensgewinn, aber auch verstörenden Erkenntnissen verließen alle Schülerinnen und Schüler den Diskurs.

Rainer Mühlhoff links, Moderator rechts

Unzählige Kommentare und Gesprächsanlässe unserer Schülerinnen und Schüler zu den einzelnen Veranstaltungen könnten hier aufgeführt werden. Frei zusammengefasst soll hier einer der abschließenden Kommentare von Finjas Schwarz beschrieben werden: „Durch diese Veranstaltungen habe ich nicht nur in verschiedensten Bereichen viel dazu gelernt, sondern mir ist auch eines besonders scharf bewusst geworden: Nur im echten menschlichen Austausch über schwierige persönliche und gesellschaftliche Themen können wir als Menschen vorankommen.“

Abschlussfoto unserer Exkursionsgruppe

Ich bedanke mich herzlich bei meinen Exkursionsteilnehmerinnen und – teilnehmern für diese gelungene und erkenntnisreiche philosophische Reise und beim Team der PhilCologne für dieses einzigartige Format!

Matthias Wessels

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