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Babyzeugin statt Zweitzeugin – 10a und 10y besuchen Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau

„Ich habe also herausgefunden, dass ich nicht erst 1946 geboren wurde, sondern schon im Januar 1945!“, trägt die Übersetzerin vor. Stille. Mehrere hundert Menschen schweigen, während die Sonne auf das weiße Zeltdach auf dem Appellplatz brennt. Lynne Farbman tritt erneut ans Rednerpult und trägt weiter auf Englisch vor, bevor die Übersetzerin wieder übernimmt. Die 40 Schülerinnen und Schüler der Klassen 10a und 10y lauschen gespannt und können kaum glauben, was ihnen die in den USA lebende und in einem Außenlager des Konzentrationslagers Dachau geborene Überlebende der Shoa berichtet. Die 81-Jährige bezieht sich in ihren Darstellungen auf das, was sie nachträglich über ihr Leben im nationalsozialistischen Deutschland erfahren hat und ist damit eine Babyzeugin, während im weiteren Verlauf der Veranstaltung noch fünf weitere Menschen auftreten, die ein noch höheres Alter aufweisen und als eigenständige Zeitzeugen sprechen.

Die Schülerinnen und Schüler des Johann-Wolfgang-Goethe-Gymnasium Germersheim waren am 3. Mai 2026 anlässlich des 81. Jahrestags der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau beeindruckt, dass sie an der Gedenkfeier in der nahe München gelegenen Gedenkstätte teilnehmen durften und dabei noch die Möglichkeit hatten, nicht ausschließlich auf Nachkommen oder auf KI-generierte Überlebende zurückgreifen zu müssen, wie dies in Zukunft der Fall sein wird. Das Leid der sogenannten Zweitzeuginnen und Zweitzeugen, das sie aus den Erzählungen ihrer überlebenden Eltern weitertragen, wird ebenfalls eindrucksvoll sein, jedoch anders sein als die direkten Schilderungen aus den ehemaligen Lagern.

Nach der Teilnahme an der Gedenkfeier standen den Schülerinnen und Schülern kompetente Guides zur Verfügung, die sie in eineinhalbstündigen Rundgängen über das Gelände führten. Nach dem Gang durch das Eingangstor, welches wie im Konzentrationslager Auschwitz die Aufschrift „Arbeit macht frei“ trägt, erfolgte die Besichtigung des Arrestzellengebäudes. Die Barracken, in denen die Gefangenen in den Jahren 1933 bis 1945 schlafen mussten, hinterließen bei den Jugendlichen einen ebenso großen Eindruck wie das Krematorium und die zu Testzwecken angelegten Gaskammern.

In Erinnerung werden den Schülerinnen und Schülern auch die vielen Blumenkränze bleiben, die die vielen Organisationen, Staaten und Städte sowie fast alle Bundestagsparteien nach der Gedenkfeier am Denkmal in der Gedenkstätte aufgereiht hatten, verbunden mit dem Wunsch, dass die Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie im Nationalsozialismus nie wieder geschehen mögen. 

Das Goethe-Gymnasium hatte sich für einen Tagestrip in die bayerische Gedenkstätte entschieden, um einen Einblick in ein großes ehemaliges Lager in deutscher Sprache zu bieten. Die Veranstaltung war Teil des vom Land Rheinland-Pfalz veranstalteten Demokratietags.

Dirk Wippert

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