„Würdest du gerne den Landeswettbewerb gewinnen?“ fragte Projektleiter Matthias Wessels unseren Qualifikanten Kenny Bertleff vor dem Turnier, seine Antwort „Das würde mir schon viel bedeuten, aber ich glaube nicht, dass ich es schaffe.“ Mit diesem kurzen Gespräch startete unser Weg zum Landeswettbewerb Jugend debattiert 2026 in Mainz, bei dem sich die besten Debattantinnen und Debattanten aus acht Regionalverbünden von Rheinland-Pfalz versammelten, um die besten vier aus Altersgruppe I und II nach Berlin zu entsenden. Unsere Delegation bestand aus unserem Qualifikanten, zwei Juroren, zwei Begleitpersonen und AG-Leiter Matthias Wessels. Aber was uns erwartete, konnte kaum einer vorher vermuten.
Delegation des GGG mit Qualifikant Kenny in der Mitte
Bereits die Qualifikationsdebatten am Vormittag zeigten, dass hier 32 Schülerinnen und Schüler zusammenkamen, die bereits eine Rhetorikschulung durch Lehrertrainer von Jugend debattiert erhalten hatten. So wurde zielgenau angeknüpft, wurden Argumente passend ausgestaltet und der Erkenntnisgewinn aller Beteiligten in den Vordergrund gerückt. Die Streitfragen der Qualifikation lauteten:
Sekundarstufe I:
- Sollen Schülerinnen und Schüler zu Beginn des Schultages ihr Smartphone abgeben müssen?
- Soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr Randsportereignisse im Fernsehen übertragen
Sekundarstufe II:
- Soll der Besuch eines Kindergartens ab drei Jahren verpflichtend sein?
- Sollen arbeitende Strafgefangene den Mindestlohn erhalten?
Welch Bandbreite die Definitionen und Argumente in dieser Qualifikation enthielten, zeigte sich exemplarisch an der Debatte um den Mindestlohn für Strafgefangene. Argumentierte die pro Seite mit der grundsätzlichen Würde des Menschen und den positiven Aspekten der Resozialisierung der Strafgefangenen bei Anpassung, argumentierte die contra- Seite treffend mit der Wirtschaftlichkeit und dem Sinn und Zweck von Gefängnisstrafe. Des Weiteren spielte hier die Definition von Arbeit eine große Rolle, da Strafgefangene im juristischen Sinne keiner Arbeit im öffentlichen Sinne nachgehen.
Nach der Qualifikation brach die Delegation des GGGs in Jubel aus, denn Kenny schaffte es sicher unter die ersten vier Plätze für das Finale.
Im Finale der Altersgruppe I debattierten Mia Malolepszy (Europa-Gym-Wörth) und Amin Dhaou (Geschwister-Scholl-Gym-LU) auf der pro-seite gegen Jonathan Esch (Peter-Wust-Gym-Wittlich) und Finja Witthaus (Gym am Rittersberg-Kaiserslautern) auf der contra-Seite zu der Streitfrage: Soll ein verpflichtendes Politikpraktikum für Schülerinnen und Schüler eingeführt werden?
Finale der Sek I
Lange stand die Maßnahme im Fokus der Debatte. Wie soll so ein Praktikum organisiert werden? Wer betreut es und gibt es überhaupt genug Plätze? Nachdem diese Fragen halbwegs adäquat gelöst wurden, traten die Argumente zum Vorschein. Versprach sich die Pro-Seite positive Effekte auf die politische Bildung und Partizipation von Jugendlichen, fürchtete die contra-Seite Indoktrination und Umsetzbarkeitsprobleme. Schlussendlich setzte die Jury Finja auf Platz eins, Amin auf Platz zwei, Mia auf Platz drei und Johann auf Platz vier.
Endlich kam der Moment von unserem Kenny in der Finaldebatte der Sek II zu der Streitfrage: Soll für Mandatszeiten der Abgeordneten des rheinland-pfälzischen Parlaments eine Höchstgrenze gelten? Hier debattierten auf der Position pro Lina Martin (Herzog-Johann-Gymnaisum Simmern) und Kari Preuschoff (Konrad-Adenauer-Gym Westerbrug) gegen Kenny Bertleff (GGG) und Julia Bochmann (Peter-Wust-Gymnasium Wittlich) auf der contra-Seite.
Finale der Sek II
Kenny Bertleff in der Debatte
Der Grad zwischen Polemik und gezielter Argumentation war in dieser Debatte messescharf, da es zum einen um persönliche Verbundenheit mit gewählten Abgeordneten, aber auch um einen strukturellen Wandel ging. Die Frage nach dem Status des „alten weißen Mannes“ spielte hierbei auch eine entscheidende Rolle, die von beiden Seiten unterschiedlich beleuchtet wurde. Durch eine absolut verdiente Leistung und ein nachvollziehbares Urteil kam die Jury zu folgendem Urteil: Platz vier belegte Karin, Platz drei Julia, Platz zwei Kari und unser Kenny Platz eins!
Emotional verliefen die Siegerehrungen derjenigen, die Mitte Juni unser Rheinland-Pfalz in Berlin vertreten werden. Darunter ist unsere Kenny Bertleff, die zum ersten Mal in der Geschichte von Jugend debattiert am GGG den Landessieg errungen hat!
Siegerehrung Sek I
Siegerehrung Sek II
Wir vom GGG gratulieren allen Siegerinnen und Siegern dieses fulminanten Landeswettbewerbes zu ihrem Einzug in die Bundesqualifikation Jugend debattiert! Besonders sind wir natürlich Stolz auf unseren Schützling Kenny Bertleff und wünschen ihm gute Argumente und Spaß bei den bevorstehenden Herausforderungen. Dieses Mal hat das GGG Geschichte geschrieben, aber für alle Debattten im demokratischen Kontext gilt und hat sich gezeigt:
Debatte lohnt sich!
Matthias Wessels (Schulkoordinator und Lehrertrainer Jugend debattiert)
